X-Sonar
Das Verbundprojekt leistet praxisorientierte, interdisziplinäre Grundlagenforschung zum Verständnis extremistischer Interaktions- und Eskalationsdynamiken in sozialen Onlinenetzwerken. Förderdauer 02/2017 bis 02/2020, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Öffentlich zugängliche Internetforen, Chats und Instant Messaging Dienste gewinnen zunehmend an Bedeutung für individuelle und kollektive extremistische Radikalisierung. Insbesondere in der Untersuchung extremistischer, politisch motivierter Kriminalität und terroristischer Handlungen wird deutlich, dass hoch frequentierte Onlinenetzwerke und Onlinedienste wie Facebook, Instagram, YouTube oder Tumblr, WhatsApp, Telegram oder Twitter einflussreiche Instrumente für die Verbreitung extremistischer Botschaften sind. Darüber hinaus spielen sie eine ausschlaggebende Rolle in der Mobilisierung und Rekrutierung von

Das Verbundprojekt leistet praxisorientierte, interdisziplinäre Grundlagenforschung zum Verständnis extremistischer Interaktions- und Eskalationsdynamiken in sozialen Onlinenetzwerken.

Förderdauer 02/2017 bis 02/2020, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Öffentlich zugängliche Internetforen, Chats und Instant Messaging Dienste gewinnen zunehmend an Bedeutung für individuelle und kollektive extremistische Radikalisierung. Insbesondere in der Untersuchung extremistischer, politisch motivierter Kriminalität und terroristischer Handlungen wird deutlich, dass hoch frequentierte Onlinenetzwerke und Onlinedienste wie Facebook, Instagram, YouTube oder Tumblr, WhatsApp, Telegram oder Twitter einflussreiche Instrumente für die Verbreitung extremistischer Botschaften sind. Darüber hinaus spielen sie eine ausschlaggebende Rolle in der Mobilisierung und Rekrutierung von Anhängern rechtsextremistischer und islamistisch-jihadistischer Ideologien.

Eingebettet in virtuelle Gruppen und Plattformen organisieren Einzelne und Gruppen nicht nur spontan sondern auch über mittelfristige Zeiträume Straftaten und Terrorakte. Soziale Onlinenetzwerke und Onlinedienste können somit instrumentalisiert werden, um gesellschaftliche Polarisierungsprozesse und Radikalisierungsprozesse einzubetten und zu beschleunigen.

Im Vordergrund des Erkenntnisinteresses stehen:

die Produktion, Tradierung und Rezeption politisch, sozial und religiös gefärbter Inhalte extremistischer Gruppierungen sowie Aufrufe zu politisch motivierten strafbaren Handlungen in Onlinenetzwerken, Blogs und Foren (Top-Down Radikalisierung),
durch gesellschaftliche Signalereignisse initiierte Prozesse der Gruppenbildung, Polarisierungen und Eskalation in virtuellen Räumen, die im Zusammenhang mit strafrechtlich relevanten Gewalthandlungen stehen (Bottom-Up Radikalisierung),
die Aneignung menschenfeindlich extremistischer Inhalte durch User im Rahmen ihres Informations-, Beziehungs- und Identitätsmanagements sowie im Vorfeld staatsschutzrelevanter Strafhandlungen (individuelle Online-Radikalisierung) sowie
die Wahrnehmung und Reaktion der Onlineöffentlichkeit auf extremistische Inhalte, Propaganda und Rekrutierungsversuche (Eskalations- und Regulationsmechanismen).

Ziel von X-SONAR ist es, die Verdichtung von Radikalisierungsprozessen, beginnend bei menschenfeindlichen Diskursen bis hin zu operativ strafrechtlich relevanten Handlungsweisen, empirisch zu analysieren, Radikalisierungsmuster, -mechanismen und -phasen auf Meso- wie Mikroebene zu identifizieren und auf dieser Grundlage praxisrelevante Indikatoren zur Früherkennung und dynamischen Risikoeinschätzung abzuleiten. Im Dialog mit den Endnutzern aus Sicherheitsbehörden (Landeskriminalämter und Bundeskriminalamt) und Zivilgesellschaft (Medienunternehmen, Jugendmedienschutz, Präventionsprojekte gegen Radikalisierung, Berufspädagogen und Psychologen) soll auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse ein softwaregestütztes Instrument für das Bedrohungsmanagement und eine Gefährdungsbewertung innerhalb virtueller Kontexte entwickelt und getestet werden.

Um die Nachhaltigkeit der Verbundarbeit zu gewährleisten, werden die erarbeiteten Erkenntnisse, methodischen Verfahren und Tools für die berufsbegleitende Weiterbildung der Endnutzer unter dem besonderen Aspekt der Prävention aufbereitet und im Rahmen eines Blended Learning Ansatzes mit verschiedenen Zielgruppen im Projektzeitraum umgesetzt. Insbesondere in Bezug auf die Polizei als Endnutzer wird angestrebt, dass die Software nachhaltig in der Lage ist relevante Diskurse zu identifizieren, diese zu verorten und den Sicherheitsbehörden anlassbezogen (bspw. beim Bau neuer Unterbringungen für Asylsuchende, der Formierung neuer radikaler Gruppen etc.) im Sinne einer Gefährdungsbewertung vorzulegen.